Viñales

Viazul Station

Auf der Weiterfahrt nach Havanna bekommen wir ein wenig Schlaf. Plötzlich werden wir geweckt. Der Fahrer fährt rechts ran. Mitten auf der Autobahn. Aus der Motorhaube qualmt weißer Rauch. Eine Flüssigkeit tropft auf die Straße. Einige junge Männer, die auf eine Mitfahrgelegenheit warten, kommen näher. Jeder versucht zu helfen. Unser Fahrer schüttet literweise Wasser in den Kühler des Wagens. Seit über einer Stunde warten wir nun unter einer Autobahnbrücke. LKWs kommen vorbei und sammeln wartende Männer am Straßenrand ein. Wir sitzen auf der Mittelleitplanke und warten. Doch die Karre springt einfach nicht mehr an. Der Fahrer hält ein fremdes Auto an, in dem noch zwei Plätze frei sind. Wir steigen um und fahren mit nach Havanna.

In Havanna rufen wir von einem Münztelefon aus Arvis an, der uns in Santiago de Cuba seine Nummer gegeben hat. Bei ihm möchten wir unser Gepäck abstellen, bis wir unsere Weiterfahrt nach Viñales geklärt haben. Leider kann uns Arvis nicht helfen. Seine Nachbarn riefen wahrscheinlich die Polizei, falls wir unser Gepäck in seiner Wohnung abstellten. Schon Julia sei mit ihrem Gepäck zu ihm gekommen, was die Nachbarn kritisch beäugt hätten. In Kuba sei es nicht erlaubt, Reisende ohne Genehmigung bei sich wohnen zu lassen. Wir möchten Arvis nicht in Schwierigkeiten bringen. Deshalb fahren wir zur Busstation, um die Nacht dort zu verbringen. Unser Bus nach Viñales fährt früh morgens ab.

In der Cafeteria der Busstation machen wir es uns gemütlich. In Fernsehen wird Olympiade übertragen. Kurz vor 22:00 Uhr beginnen die Mitarbeiter zu säubern. Sie wischen den Boden und scheinen Feierabend zu machen. Busstation und Cafeteria schließen. Notgedrungen suchen wir uns kurz vor Mitternacht eine Unterkunft ganz in der Nähe.

Mogotes Morro

Um die Mittagszeit kommen wir in Viñales an. Der kleine Ort im Westen Kubas hat nur etwa 4000 Einwohner. Aus dem fruchtbaren Talboden ragen bizarre Kalksteinmonolithe auf, die Mogotes. Sie geben der spektakulären Landschaft ihr typische Aussehen. Neben Mais, Bohnen und Malangas wird überwiegend Tabak in dieser Region angebaut. Der beste und edelste Tabak der Welt, dürfen wir der Meinung vieler Kenner glauben.

Wir steigen aus dem Bus. Unzählige Männer und Frauen werben mit ihren selbstgestalteten Plakaten für ihre Casa Particular. Eine kleine, zierliche Frau steht abseits des Gedränges. Sie bietet uns ihr Naturhaus für einen fairen Preis an. Wir gehen mit ihr. Das Zimmer hat keine Klimaanlage und nur kaltes Wasser. Die Wände bestehen aus einzelnen Holzbrettern. Vorhänge ersetzen Glasfenster. Die Frau ist sehr nett. Das Haus hat Charme. Wir bleiben.

Am Nachmittag unternehmen wir einen Ausflug. Mit einem Cowboy möchten wir durch das Valle de Viñales zu einer Tabakfarm reiten. Die Einweisung ist kurz. Beide sind wir noch nie wirklich geritten. Der Cowboy treibt unsere Pferde an. Sie galoppieren los, wann sie wollen und bleiben stehen, wann sie wollen. Wenn sie Hunger haben, fressen sie. Sie scheinen einen kleinen, eigenen Wettkampf auszutragen. Rennt das eine Pferd los, galoppiert das andere hinterher. Will das eine das andere Pferd überholen, drängen sie sich gegenseitig ab. Wir reiten durch überwältigende Landschaften. Ein Tal voller Tabak und weiter Wiesen. Kein Mensch ist zu sehen. Durch tiefe Wasserlöcher reiten wir hindurch. Bis zu den Knien im schlammigen Wasser.

An einer kleinen Tabakfarm machen wir Halt. Bereits jetzt tut Yvonne nahezu alles weh. Sie kann schon kaum mehr sitzen. Der Farmer zeigt uns die Hütte, in denen die frisch geernteten Tabakblätter zum Trocknen hängen. An einem kleinen Holztisch dreht er uns eine selbstgefertigte Zigarre und steckt sie für uns an. Zusammen mit einem Cocktail aus Kokoswasser, Honig, Rum und einem Spritzer Limettensaft rauchen wir die aromatische Zigarre. Das besondere an den Zigarren hier ist, dass der Farmer sie aus rein natürlichen Mitteln fertigt. Das Nikotin in den Adern der Tabakblätter entfernt er. Zum Kleben der Zigarre wird ausschließlich Honig verwendet. Wir essen frische Ananas und Bananen, bevor wir wieder zurück nach Viñales reiten.

Yvonne graut es bereits vor dem Rückweg. Der Mann treibt die Pferde erneut an. Wir ziehen an den Zügeln, damit sie langsamer werden. Doch die Pferde Negro und Morro scheinen nur auf die vertrauten Rufe des Cowboys zu hören. Die Schmerzen werden beinahe unerträglich. Die Tour ist großartig, doch Reiten wird Yvonne wohl so schnell nicht mehr. Zurück in unserer Unterkunft hat Yvonne immer noch Nachwehen. Die Schmerzen kommen von zwei offenen Wunden, die sie sich beim Reiten zugezogen hat. Wir befreien unsere Kleidung vom roten Schlamm des Tals. Fix und fertig legen wir uns zum Schlafen.

Caverna Santo Tomás Caverna Santo Tomás

Heute möchten wir zur Caverna Santo Tomás. Auf der Suche nach einem Taxi entdecken wir immer wieder Parolen des Sozialismus. "Patria o Muerte", "¡Hasta la victoria siempre!", "¡Viva nuestro comandante en iefe Fidel Castro!". Allerorts Abbildungen kubanischer Nationalhelden in den Vorgärtern.

Das Höhlensystem Santo Tomás ist mit 46 Kilometern Ausdehnung das drittgrößte Südamerikas. Die Höhle umfasst sieben Etagen, von denen wir drei besichtigen können. Mit einem Schutzhelm und Licht ausgestattet wandern wir zunächst ein paar hundert Meter einen Berg hinauf, um zum Eingang der Höhle zu gelangen. Unser Guide spricht fließendes Englisch. Zu Beginn erklärt er uns, dass die Steine teilweise sehr rutschig seien. Wir sollen besonders gut aufpassen, wo wir hintreten. Unser Guide ist ausgesprochen humorvoll. Jede sich bietende Gelegenheit nutz er, um einen Scherz auf Kosten "unserer US-amerikanischen Freunde" zu machen, wie er sie liebevoll nennt.

Über Holzleitern dringen wir immer weiter ins Höhleninnere vor. Manche Stellen sind so steil, dass wir uns abseilen müssen. Teilweise sieht man Tageslicht, wenn sich ein kleiner Spalt im Gestein mit der Zeit geöffnet hat. Deshalb gibt es vereinzelt auch Pflanzen in der Höhle zu sehen. Auf der Suche nach Wasser wachsen Wurzeln bis tief in den Hohlraum hinein. Am Hang des Berges steht ein Baum, dessen Wurzeln wie Lianen im Innern der Höhle herunterhängen. Hier unten gibt es unbeschreiblich viel zu entdecken. Klingende Steine, die sich wie verschiedenste Musikinstrumente anhören, wenn wir darauf klopfen. Wir besichtigen außergewöhnliche Tropfsteinformation in den unterirdischen Gängen von Santo Tomás. Durch schmale Steinspalten schlängeln wir uns von einem außergewöhnlichen Ort zum nächsten. Mächtige, silber glitzernde Talcidwände verzaubern uns und unsere Begleiter. Über eine Stunde klettern wir durch das größte Höhlensystem der Insel.

Zurück in Viñales pflückt Steffen eine fremde Frucht, die wir nicht kennen. Während unserer Zeit auf Kuba haben wir bereits einige Früchte probiert, die wir zuvor nicht kannten. In unserer Unterkunft essen wir beim typisch kubanischen Dominospiel Mango, Ananas und die unbekannte Frucht.

Am Abend kaufen wir nach Ladenschluss frisch gebackene Brötchen und lauschen den traditionellen Klängen im Park.