Trinidad

Plaza Major Playa Ancòn

Noch vor 7:00 Uhr morgens kommen wir mit dem Bus in Trinidad an. Trinidad ist eine kleine Stadt mit 36.000 Einwohnern an der Südküste Kubas. Karibisches Meer. Einst einer der bedeutendsten und reichsten Zuckermetropolen weltweit. Bis heute glänzt Trinidad mit beeindruckenden Kolonialbauten. Rund um den glanzvollen Plaza Major ist das Flair dieser Zeit allgegenwärtig.

Unzählige Männer und Frauen warten an der Bushaltestelle, um Reisenden wie uns einen Schlafplatz anzubieten. Diesmal möchten wir alleine auf die Suche gehen. Wir laufen durch die Stadt. Klingeln bei verschiedenen Häusern, die uns besonders gut gefallen. Alle bereits ausgebucht. Marita hat uns in Havanna einige Adressen empfehlenswerter Unterkünfte mit auf den Weg gegeben. Eine davon in Trinidad. Casa Chocolate bei Familie Arostica ist für diese Nacht allerdings schon belegt. Nun benötigen wir eine Übernachtungsmöglichkeit bis zum nächsten Tag. Danach können wir in die Casa Chocolate umziehen.

Ein junges Mädchen spricht uns auf der Straße an. Sie sagt, ihre Familie habe ein hübsches kleines Zimmer für 20 CUC pro Nacht. Wir nehmen die Casa Particular. Sie ist zwar eher schlicht, aber besticht durch ihre zentrale Lage. Als der Vater des Hauses hört, dass wir nur eine Nacht bleiben möchten, kostet das Zimmer plötzlich 25 CUC. Wir bleiben trotzdem, weil wir erschöpft und müde sind. Im Wohnzimmer unserer Gastgeber läuft die Eröffnungsfeier der Olympiade in Peking. Begeistert sitzt die Familie vor ihrem alten Fernsehgerät und fiebert den Wettkämpfen entgegen.

Für den nächsten Tag buchen wir eine Tour in das Valle de los Ingenios. Zusätzlich bekommen wir einen guten Tipp, wie wir günstig zum Playa Ancòn gelangen, dem nahegelegenen Strand. Alle zwei Stunden fährt ein roter Bus von Trinidad aus zum Strand und zurück. Prompt holen wir unsere Badesachen und fahren mit dem Bus zum Playa Ancòn. Playa Ancòn ist ein paradiesischer Traumstrand, gesäumt von kubanischen Königspalmen. Nur wenige Touristen genießen mit uns den feinen, weißen Sandstrand und das türkisblaue, karibische Meer. Die Luft brennt. Abkühlung bringt das Meer jedoch nicht. Lufttemperaturen um die 35°C, Wassertemperaturen von etwa 28°C. Nach einigen Stunden Stranderlebnis fahren wir am Abend zurück in die Stadt. Ein schöner, entspannter Tag geht zu Ende. Trotzdem fallen wir todmüde ins unbequeme Bett.

Valle de los Ingenios Valle de los Ingenios Germain, Maurice, Barbara Topes de Collantes Topes de Collantes Topes de Collantes

Noch vor unserer Tour packen wir unsere Sachen und ziehen aus dem beengten Übergangszimmer in unsere neue Traumunterkunft um. Casa Chocolate hat zwei Schlafzimmer, eine Küche, ein Bad, ein Wohnzimmer, einen Balkon und eine riesige Dachterrasse. Alles für uns.

Gemeinsam mit unserem Guide Maurice, der Spanierin Barbara und dem Franzosen Germain verlassen wir Trinidad über gepflasterte Straßen in Richtung des Valle de los Ingenios. Von einem Aussichtspunkt aus können wir die Ausläufer des Zuckerrohrtals sehen. Unser Blick reicht herrlich weit hinein in ein Tal voller Felder und Wiesen. Kein Haus ist zu sehen. Heute sind nur noch wenige Felder mit Zuckerrohr bepflanzt. Maurice erklärt uns, der Zuckerrohanbau sei für Kuba nicht weiter lohnend. Die wenigen noch vorhandenen Felder dienten lediglich dem Erhalt der Auszeichnug zum UNESCO Weltkulturerbe.

Maurice ist überzeugter Anhänger der Revolution und des kubanischen Sozialismus`. Die kubanischen Unabhängigkeitskämpfer erfüllten ihn mit Stolz. Zum Glück hätten Fidel Castro und seine Kameraden die US-amerikanischen Ansichten aus Kuba vertrieben. Kuba sei bis heute der einzige Staat, der dem amerikanischen Imperialismus unbeugsam Widerstand leiste. Die wirtschaftliche Misere Kubas sei ihm durchaus bewusst. Jedoch sei vor allem das anhaltende Wirtschaftsembargo der Vereinigten Staaten dafür verantwortlich. Dies führe zu einer vollständigen Handelsblockade Kubas, da die USA auch andere Länder zur Blockade verpflichte. Diese verbiete zum einen kubanische Produkte zu erwerben und zum anderen Waren an Kuba zu verkaufen. Er hasse nicht das US-amerikanische Volk, aber dessen Vertreter in der Regierung. Allen voran George Bush sei ein herzloser und erbarmungsloser Terrorist.

Dank der Revolution gäbe es in Kuba weder Prostitution noch Drogenprobleme. Kein Bürger leide Hunger oder könne nicht schreiben. Traurige Missstände, die in vielen vergleichbaren Staaten vorherrschten.

Ein paar Kilometer weiter besichtigen wir die vornehme Villa der einst reichsten Zuckerfamilie der ganzen Insel. In nächster Nähe zu ihrem Haus steht ein hoher Turm, von dem aus man das gesamte Anbaugebiet beobachten kann. Er diente der Überwachung der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Mit dem Aussichtsturm und der Sklavenbehausung dicht neben der Villa, wollte die Familie sicherstellen, dass keiner ihrer 200 bis 300 Sklaven unbemerkt weglief. Nicht wenige Sklaven sind damals unter der glühend heißen Sonne bei schwerer körperlicher Arbeit auf den Feldern gestorben.

Im Garten der Villa stellen wir mit einer uralten Presse unseren eigenen Zuckerrohrsaft her. Mindestens zwei Personen müssen die Presse betätigen, damit das Zuckerrohr ausgepresst und der reine Saft gewonnen wird. Gemischt mit etwas Limone, ist der Zuckerrohrsaft sehr schmackhaft und erfrischend. Ein älterer Mann schneidet uns direkt vom Feld etwas Zuckerrohr ab. Er schält es mit seiner Machete und gibt uns jeweils ein kleines Stück Zuckerrohr zum Kauen und Lutschen. Sehr schmackhaft. Etwas Natürliches zum Naschen.

Für den Nachmittag verabreden wir uns mit Barbara und Germain, um mit ihnen ein Taxi zu einem nahegelegenen Wasserfall zu teilen. In dem Gebiet um Trinidad gibt es zwei wunderschöne Wasserfälle. Beide liegen im Nationalpark Topes de Collantes. Der kleinere ist verhältnismäßig schnell mit dem Auto und einer kurzen Wanderung durch den Wald zu erreichen. Der größere der beiden Wasserfälle ist in 40 Autominuten zu erreichen. Der Weg dorthin ist schlecht ausgebaut. Nicht jedes Taxi hat die Möglichkeit zu diesem Ort zu fahren.

Weil es schon Nachmittag ist und der Nationalpark um 18:00 Uhr schließt, ist kein Taxi mehr bereit uns zu dem weiter entfernten Wasserfall zu fahren. Also begnügen wir uns mit dem kleineren Wasserfall. Über eine Hängebrücke und unausgebaute Wege finden wir schließlich die Oase, versteckt inmitten des Walds. Ein kleiner See lädt zum Abkühlen und Erfrischen ein. Barbara zeigt uns einen Hohlraum in den steinernen Felsen. Wir tauchen durch das Wasser in den Felsen hinein. Im Innern des Felsen schwimmen wir an die Wasseroberfläche und finden uns in einer winzigen Höhle wieder. Abenteuerlich und einfach toll. Wir schwimmen unter dem Wasserfall durch, hinein in ein Höhlensystem, das unter den Felsen verborgen liegt. Im Wasser lassen wir uns treiben und erfreuen uns an der Stille des Urwalds. Weit und breit kein Mensch zu hören.

Zurück in unserer Unterkunft sitzen wir in unseren Schaukelstühlen auf dem Balkon. Es ist dunkel, die Luft kühl langsam ab. Wir beobachten die Menschen und das Treiben auf der Straße. Gemeinsam lassen wir diesen aufregenden und ereignisreichen Tag Revue passieren.

Topes de Collantes Topes de Collantes Casa de la Musica

Um 9:00 Uhr unseres dritten Tages in Trinidad treffen wir uns mit Germain, um gemeinsam in den Nationalpark Topes de Collantes zu fahren. Dort angekommen wandern wir beinahe eine Stunde zum Becken des Wasserfalls. Wir sind die Einzigen, die hier im ungewöhnlich kalten Wasser zwischen atemberaubenden 20 Meter hohen Felswänden baden. Der eigentliche Wasserfall befindet sich noch etwas weiter oben im Wald. Dort angekommen, breiten wir uns auf den sonnigen Felsen am Fuß des Wasserfalls aus. Wir genießen das Rauschen des Wassers, das wie in einer Rutsche 60 Meter tief den Berg hinunter schießt.

Hier haben wir Gelegenheit unseren französischen Freund etwas näher kennenzulernen. Germain ist Mitte dreißig und lebt in Paris. Nebenberuflich ist er Comedian. Er erzählt uns von seinem Lieblingssketch, indem er Horst Tappert imitiere. Er kennt viele deutsche Filme und Sänger. Fällt ihm ein Lied ein, fragt er ob wir es kennen und fängt an zu singen. Er ist sehr interessiert an unserem Leben und unseren Zukunftsplänen. Er fragt viel und ziemlich genau: "Wollt ihr Kinder? Ja? Wie viele? Mädchen, Jungen? Wann wollt ihr sie? Bevor ihr heiratet oder danach? Wollt ihr überhaupt heiraten? Wie lange kennt ihr euch schon?" Germain ist sehr amüsant. Wir haben viel Spaß mit ihm an diesen Tagen in Trinidad. Auf dem Rückweg fängt es ziemlich stark an zu regnen. Glücklicherweise nimmt uns ein alter LKW ein Stück mit. Wir müssen also nicht den ganzen weiten Weg zurück durch den Regen.

Am Abend treffen wir Germain in der Casa de la Musica. Schon von weitem hört man die traditionelle kubanische Musik. Casa de la Musica ist ein Freilichtplatz, auf dem abwechselnd Musikgruppen spielen. Die Zuhörer sind überall verteilt. Die gesamte Treppe um die Band herum ist mit Menschen besetzt. Einige müssen stehen. Frauen und Männer aller Altersgruppen tanzen, singen, lachen und klatschen im Rhythmus der feurigen Musik.

In der Nähe der Casa de la Musica gehen wir in eine kleine Bar. Hier tritt eine Tanz- und Musikgruppe mit afrikanischen Einflüssen auf. Wir sind gefesselt von dem bunten Treiben auf der Bühne. Es ist faszinierend, wie viel Leidenschaft und Leben die Tänzer mit ihren begrenzten Mitteln zum Ausdruck bringen. Zum großen Finale tanzen Germain und Yvonne gemeinsam mit den Künstlern auf der Bühne. Ein wunderbar fröhlicher Abschluss des Tages.

Casa Chocolate Casa Chocolate

Am Montagmorgen können wir mal wieder richtig ausschlafen. In aller Ruhe frühstücken wir bei Sonnenschein auf der Dachterrasse. Gemütlich schlendern wir über den traditionellen Markt der Stadt. Auf den gepflasterte Straßen werden Souvenirs aller Art angeboten. Handgefertigte Bilder, Schmuck, traditionelle Musikinstrumente, Bücher und vieles mehr.

Wir haben nicht mehr genug Geld für ein richtiges Abendessen. Am Straßenrand kaufen wir uns eine Mango, Bananen, Ananas und anderes Obst. Dazu kaufen wir Joghurt für einen frischen Obstsalat. In den Mittagsstunden baden wir am Playa Ancòn. Voraussichtlich ist das der letzte Tag unserer Reise, den wir am Strand mit Sonne und Palmen verbringen werden.

Zurück in Trinidad möchten wir in einem der seltenen Internetcafés eine E-Mail in die Heimat senden. Am Eingang werden wir gestoppt und nicht hineingelassen, weil Steffen kein T-Shirt bei sich hat. Wir kaufen uns ein Busticket für den nächsten Morgen, essen Pizza und trinken etwas. Wir laufen in unserer Wohnung, wo Yvonne den Obstsalat vorbereitet. Steffen joggt währenddessen zurück zum Internetcafé, um eine Nachricht nach Hause zu schreiben.

Der Himmel zieht sich beängstigend zu. In der Stadt wird es dunkel. Erste kleine Gewitter ziehen auf. Der Strom fällt aus. Plötzlich fängt es an zu regnen. Tropenartige Regenschauer setzen die Stadt vollständig unter Wasser. Gut, dass unsere Wohnung im ersten Stock ist. Blitze und heftige Donner lassen uns zusammenzucken. Es dauert nicht lange, bis die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr halten kann. Aus den Kanaldeckeln sprudelt das Wasser. Harmlose Straßen wandeln sich in reißende Flüsse. Bis zu den Knien steht Steffen auf seinem Rückweg im Wasser. Die Straßen zu überqueren ist fast unmöglich. Das Wasser zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Kein Mensch ist mehr auf den sonst so belebten Straßen. Die Kleidung ist schwer, die Straßen dunkel. In der Zwischenzeit verriegelt Yvonne Fenster und Türen. Glasscheiben gibt es nicht. Steffen kommt endlich zurück. Schuhe, Strümpfe, Haare und Kleidung, alles durchnässt. Der Strom ist noch immer nicht zurück und der Regen hört nicht auf. Erst spät am Abend wird es langsam besser. Der Regen wird schwächer und der Strom kommt minutenweise zurück. Wir öffnen die Fenster und eine frische Brise der abgekühlten Luft zieht durch unsere Zimmer.