Santa Clara
Früh am Morgen fahren wir zur Busstation Viazul in Habana Nuevo Vedado. Wir müssen uns genau merken, wer vor uns an der Reihe ist. Alle stehen wild durcheinander oder sitzen in unterschiedlichen Räumen, bis unser Bus nach Santa Clara aufgerufen wird. Der Warteraum ist überfüllt. Hoffentlich bekommen wir noch einen Platz im Bus. Zur Sicherheit machen wir mit einem Japaner eine Abmachung. Sofern alle Plätze im Bus belegt sein sollten, teilen wir uns den Preis für ein Taxi. Zum Glück bekommen wir noch zwei Plätze in dem vollen Bus. Jetzt geht es ins über 250 km entfernte Santa Clara. Während der Fahrt sehen wir zum ersten Mal die Landschaft Kubas. Am Straßenrand warten Menschen, die von Bussen oder LKWs mitgenommen werden wollen. Sie stehen mit Geldscheinen in der Hand entlang der Autobahn. Lastwagen halten an. Die Leute betreten die Ladefläche. Eine einfache, preisgünstige Reisemöglichkeit.
In Santa Clara angekommen, fahren wir mit unseren neuen Gastgebern Luis und Yanelli auf der Ladefläche ihres Geländewagens zu unserer Casa Particular. Luis hat in den 80er Jahren für vier Jahre in Ostdeutschland gearbeitet und kann daher noch ein wenig Deutsch. Sehr stolz erzählt er uns, er habe noch ein halbes Jahr nach der Wende in Deutschland leben dürfen und somit auch den Westen des Landes bereisen können.
Hostal La Hiedra ist mehr als wir uns von den kubanischen Unterkünften erhofft haben. Unser Zimmer ist klimatisiert, hat einen Kühlschrank, der stets gefüllt ist und einen Fernseher. Wir haben einen separaten Eingang und eine riesige Dachterrasse. Auf dieser Terrasse befinden sich zwei Tische für Abendessen und Frühstück. Die Tische stehen im Freien, unter einem karibischen Strohdach. Ein Waschbecken und eine Wäscheleine sind optimal, um unsere wenigen Kleidungsstücke zu waschen. Auf der Schaukel und den Liegestühlen der Terrasse lassen wir die Seele baumeln und es uns gut gehen. Schade, dass wir in dieser traumhaften Unterkunft nur eine Nacht bleiben werden.
Nach der kleinen Mittagspause machen wir uns auf, die Stadt und die Geschichte Ché Guevaras zu entdecken. Im Dezember 1958 gelang es Comandante Ernesto Ché Guevara mit seiner Guerilla-Gruppe einen gepanzerten Waffentransport des Diktators Batista in Santa Clara entgleisen zu lassen und den Zug auszubeuten. Dies gilt als größte militärische Leistung Ché Guevaras, denn der Weg in die Hauptstadt Havanna war somit geebnet. An der Stelle, an der der Zug einst entgleiste, sind heute einige Waggons aufgestellt. Wir schauen uns das kleine Museum an, das in den Waggons eingerichtet ist. Es zeigt sämtliche Waffen und Ausrüstung, die der Zug damals geladen hatte.
Die Gebeine Ché Guevaras, die in Bolivien aufgefunden worden seien, wurden 1997 nach Santa Clara überführt. In einem eigens geschaffenen Mausoleum, das durch eine gewaltige Ché-Statue geziert wird, sind sie beigesetzt. Auf großen Steintafeln lesen wir den letzten Brief Ché Guevaras vor seinem Tod an Fidel Castro. Er beendet den Brief mit den berühmten Worten "Hasta la victoria siempre", was übersetzt bedeutet "Bis zum immer währenden Sieg".
Ein weiteres Highlight des Tages ist das ausgezeichnete Abendessen im Freien. Karibischer Sonnenuntergang und ein entzückendes Ambiente. Zu Languste und Hühnchen gibt es Reis, Bohnen, Gurken und gebackene Banane. Wir liegen in der Hängematte und lassen den Tag Revue passieren. Gemütlich und entspannt verbringen wir einen romantischen Abend. In aller Ruhe planen wir unsere morgige Weiterreise nach Morón.