Havanna
Noch in Viñales geht Steffen am Morgen unter die Dusche. Doch es kommt kein Tropfen Wasser aus der Leitung. Nur ein wenig braune Brühe. Wir fragen unsere Gastgeberin, warum es kein Wasser gibt. Diese nickt wohl wissend und verlässt das Zimmer. Sie bringt uns einen großen Eimer gefüllt mit kaltem Wasser, mit dem wir uns waschen und unsere Zähne putzen könnten.
Um die Mittagszeit fahren wir zurück nach Havanna. Ein letztes Mal. Wir beziehen erneut ein Zimmer im Casa Mariveli. Diesmal benutzen wir das private Bad mit, da unser vorheriges Zimmer bereits belegt ist.
Aus Geldmangel müssen wir das Frühstück an diesem Morgen leider absagen. Marita mag das nicht sehen und bereitet dennoch Tee, Saft, Brötchen, Butter, Gelee und Obst für uns vor.
Im Herzen der Altstadt besuchen wir einen lebhaften Markt. Hier werden alle möglichen Lebensmittel verkauft. LKWs voller Bananen werden entladen. Berge von Zitronen und Limetten liegen auf der Straße. Metzger zerteilen das frische Fleisch in der brennenden Mittagshitze. Die enge Straße ist voller Menschen. Es gibt kein Obst Kubas, das uns hier nicht angeboten wird. Es wird gefeilscht, gekauft, geklaut. Aus riesigen Lautsprechern tönt stimmungsvolle Musik. Die Verkäufer tanzen zu den Klängen. Wir lassen uns anstecken von dem wilden Treiben und kaufen ein paar exotische Früchte.
Gegen Mittag besuchen wir einen weiteren Markt in der Nähe. Die Verkäufer bieten traditionsreiche, handgemachte, kleine Kunstwerke an. Figuren, Musikinstrumente und Schmuck aus Holz. Außerdem gibt es viele kubanische Maler, die auf diesem Markt ihre farbenfrohen Bilder ausstellen.
Auch Marita unterstützt viele dieser einheimischen Künstler. Ihre Wohnung gleicht einem Atelier. Über einen befreundeten Künstler hat sie uns eine Zigarre besorgt, auf der unsere Namen, sowie abstrakte Figuren abgebildet sind. Mittags sind wir mit Carlos, dem Künstler, verabredet, um unsere Zigarre entgegenzunehmen. Das Besondere an den Bildern auf der Zigarre ist, dass sie ausschließlich aus anders farbigen Tabakblättern bestehen. Stolz erzählt uns Carlos, er habe nur wenige dieser exklusiven Zigarren hergestellt. Jede einzelne sei ein handgefertigtes Unikat. Die kubanische Regierung kaufe seine Zigarrenkunstwerke für bedeutende Staatsgäste des Landes.
Später an diesem Sonntag fährt Steffen zum Playa del Este. Dem Stadtstrand im Osten Havannas. Noch ein letztes Mal das karibische Meer genießen. Umgeben von Kubanern genießt er die meterhohen Wellen, die der Wind heute in Richtung der Insel bläst. Eine Seltenheit.
Yvonne bleibt währenddessen in der Casa Particular. Bei Marita im Wohnzimmer läuft ununterbrochen der Fernseher. Olympiade in Peking. Ihr Mann Evelio ist die ganze Nacht wach geblieben, um das Spiel der kubanischen Baseballmannschaft live im Fernsehen verfolgen zu können. Kuba gewinnt gegen die USA. Ein besonderer Tag. Baseball ist neben Boxen und Ringen eine der beliebtesten Sportarten Kubas. Bereits die Jüngsten üben auf den Straßen oder in einem der vielen kleinen Parks den Umgang mit Ball und Schläger.
An unserem letzten Abend in Kuba gehen wir in die für ihren Mojito bekannte Bar La Bodeguita del Medio, um einen dieser berühmten Cocktails zu trinken. Der Überlieferung nach gäbe es laut Ernest Hemingway in der kleinen Bar den besten Mojito der Stadt. Viele Menschen drängen sich in den winzigen Raum hinter der Theke. Unser Mojito schmeckt ganz ausgezeichnet.
Montagmorgen. Der Tag unserer Abreise. Kurz nach dem Aufstehen warnt uns Marita. Es sei ein Hurrikan in der Region, der sich auf Kuba zubewege. Deshalb könne es sein, dass unser Flug abgesagt werde.
Wir haben kaum noch Geld, um uns etwas zu Essen zu kaufen. Deshalb decken wir uns bei dem Bäcker um die Ecke mit Backwaren ein. Kuchen und Brötchen. Preiswert und sättigend. Der großzügige Bäcker schenkt uns noch einige Knusperstangen, sodass wir ausreichend mit Essen versorgt sind.
In der Casa del Ron y Tabaco in der Nähe des Parque Central möchten wir zwei kubanische Rumflaschen kaufen. An der hauseigenen Bar probieren wir die verschiedenen Rumsorten. Wir entscheiden uns für eine Flasche Havana Club Añejo 7 Ãnos und eine Flasche Ron Caney Añejo Centuria, die wir in Handtücher gehüllt vorsichtig in unseren Rucksäcken verstauen.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen, sind viel zu früh und warten auf unser Flugzeug. Der Hurrikan ist noch weit genug entfernt, sodass unserem Abflug nichts im Weg steht. Gegen Abend heben wir schließlich ab in Richtung Heimat. ¡adiós Cuba!