Baracoa

Yalina

Am Morgen des 3. Augusts, Steffens Geburtstag, fahren wir mit dem Bus nach Santiago de Cuba. Obwohl wir völlig übermüdet in Holguín losfahren, können wir im Bus kaum schlafen. Wir tragen kurze Kleidung und im Bus herrschen frostige Temperaturen. In Santiago de Cuba angekommen, müssen wir hoffen und bangen, noch einen freien Platz im Bus zu bekommen. Wir sind nahezu die Letzten die noch mitfahren dürfen nach Baracoa, der östlichsten Stadt Kubas. Die abenteuerliche Fahrt dorthin führt über die Berge. Schmale Straßen an den Hängen und beängstigende Abgründe neben der Straße. Eine großartige Aussicht. Diesmal haben wir unsere Decke mit im Bus, sodass wir ein wenig Schlaf bekommen. Kurz vor unserem Ziel halten wir vor einer kleinen Hütte in den Bergen. Ein Mann schneidet frisches Obst und bietet uns Kokosnusswasser zum Trinken an. Die Ananas ist ungewohnt saftig und schmeckt ganz ausgezeichnet, wie wir sie noch nie gegessen haben. Einfach lecker.

In Baracoa übernachten wir bei Gustavo und Yalina. Die beiden sind sehr herzlich und freundlich. Wir fühlen uns ausgesprochen wohl. Baracoa ist die älteste Stadt Kubas. Im Auftrag der spanischen Krone strandete Christopher Kolumbus im Jahre 1942 in der Bucht von Baracoa. An dieser Stelle ließ Kolumbus ein hölzernes Kreuz errichten. Verzückt von der natürlichen Schönheit Kubas schrieb Kolumbus in sein Logbuch: "Die schönste Insel, die Menschenaugen jemals erblickten". Das zierliche Städtchen hat bis heute seinen authentischen Charme behalten. Eine der Hauptanbaugebiete Kubas für Bananen, Kokosnüsse und Kakao. Doch das feuchtwarme Klima der Region lässt auch andere tropische Früchte wie Mango, Mandel und Papaya bestens gedeihen.

Wir spazieren ein wenig durch die Gassen der typisch karibischen Stadt, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. An der Küste angekommen, können wir den Nachbau des alten Holzkreuzes bestaunen, als plötzlich Steffens Badeschuhe kaputt gehen. Da er auf sie angewiesen ist, lassen wir sie, nach einem Tipp von Yalina, bei dem nahegelegenen Schuhmacher flicken. Gut gelaunte Männer sitzen an ihren Arbeitsplätzen. Einer neben dem andern. Es herrscht reger Betrieb in der kleinen Werkstatt. Während der Schuster die Badeschuhe klebt und näht, warten wir auf einer schmalen Holzbank und schauen interessiert zu. Mit Zigarre im Mund und großer Gelassenheit gehen die Männer ihrer Arbeit nach.

Am Abend gibt es zur Feier des Tages ein leckeres Abendessen. Suppe, Shrimps, Fisch, Gemüse und Reis. Steffen hat starke Bauchschmerzen und kann deshalb von seinem Geburtstagsessen fast nichts essen. Wir haben uns so sehr auf dieses Essen gefreut und jetzt müssen wir die Hälfte stehen lassen.

Immer wieder im Dunkeln aufstehen. Hartnäckige Bauchkrämpfe überdauern die Nacht. Kaum Schlaf. Als Steffen mal wieder vor Schmerzen aufstehen muss, schaltet er das Licht ein. Eine Kakerlake huscht über den Fußboden. Immens groß, ekelhaft und ungeahnt schnell.

el Yunque

Montag. Heute möchten wir mit José Antonio el Yunque besteigen. Dieser, die Stadt überragende, Tafelberg lieg inmitten des großen Nationalparks Parque Nacional Alejandro de Humboldt. Das Schutzgebiet beheimatet eine gewaltige Anzahl seltener Pflanzen- und Tierarten. José ist 38 Jahre alt und Biologe. Er spricht ein wenig Deutsch, da er gelegentlich bei Forschungsprojekten mit der Universität Berlin zusammenarbeitet. Außer uns beiden nimmt noch ein italienisches Paar mit ihrem kleinen Sohn an der Tour teil.

Auf der Ladefläche eines alten LKWs fahren wir zum Fuße des Yunque. Ein schweißtreibender Fußmarsch liegt vor uns. Das spektakuläre Plateau ist noch rund zweieinhalb Stunden von uns entfernt. Steffen ist immer noch durch starke Bauchkrämpfe geschwächt. Gleich zu Beginn müssen wir unsere Schuhe ausziehen, um einen Fluss zu durchqueren. Das kalte, klare Wasser des Flusses ist eine erfrischende Abkühlung. Mit Kochbananen bepackte Esel traben in Richtung Tal an uns vorbei. Auf dem Weg hinauf urwüchsiger Urwald, Hundertfüßler, Tausendfüßler und ungiftige Schlangen, die teilwise bis zu vier Meter lang werden. Wir probieren das saftige Fruchtfleisch der Kakaobohne und bewundern die, ihrer Umgebung angepassten, Cameleons.

Das geringe Tempo, welches wir wegen dem kleinen italienischen Jungen haben, ist für Steffen fast noch zu schnell. Immer wieder müssen wir anhalten, weil er völlig außer Kräften ist. An einer kleinen Hütte inmitten des Dschungel machen wir eine längere Pause und bekommen Früchte und frisches Kokosnusswasser von einheimischen Obstbauern gereicht.

Beim Schlürfen unserer Kokosnuss lernen wir ein junges Pärchen kennen. Der 23-jährige Arvis ist Standesbeamte und kommt aus Havanna. Seine Freundin Julia ist eine 32-jährige Australierin, die in London arbeitet und zurzeit bei ihm auf Kuba weilt. Zusammen reisen sie durch den fernen Osten Kubas. Steffen entscheidet sich dafür hier zu bleiben und in der Berghütte zu warten.

Für Yvonne und die anderen geht es weiter zum Gipfel des Yunque. Der Weg zum Gipfel beträgt insgesamt fünf Kilometer. Die Spitze liegt 500 Meter über dem Meeresspiegel. Auf dem Plateau angekommen, bietet sich ein beeindruckender Blick auf die Bucht von Baracoa.

Auf dem Rückweg halten wir an dem plätschernden Fluss, der hinab ins Tal fließt. Da wir keine Badesachen mithaben, springen wir mit unseren Kleidern in das erfrischend kalte Quellwasser. Einheimische Kinder springen von den steilen Klippen in das frische Nass. An einem Wasserlauf liegen viele Steine aufeinander, die eine Art Whirlpool formen. Wir legen uns hinein. Das Wasser sprudelt. Wir genießen dieses einzigartige, paradiesische Wohlgefühl.

Nach diesem traumhaften, aber auch anstrengenden Tag erholt sich Steffen am Abend langsam von seinen schmerzlichen Magenproblemen. Nur etwas Brot mit Bienenhonig gibt es zum Essen.